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at·mos·phere (n.):
1. The gaseous mass or envelope surrounding a celestial body, especially the one surrounding the earth, and retained by the celestial body's gravitational field.
2. The air or climate in a specific place.
3. An aesthetic quality or effect, especially a distinctive and pleasing one, associated with a particular place.
Wenn man, abgesehen von der gasförmigen Masse im Universum und dem Klima, von Atmosphäre, sprich Atmosphere, spricht, passt die dritte Definition wie die Faust aufs Auge. Man nehme ästhetische Texte oberster Qualitätsstufe, vermenge sie mit wohltuender Musik und lässt beides auf dem für alternativen Hip Hop fruchtbaren Boden Minneapolis' eine Einheit bilden. Heraus kommt eine unschlagbare Atmosphäre. Auch noch nach der siebten Vermengung der genannten Elemente im Zuge der Headshots-Reihe? Wir werden sehen.
Wer jetzt nichts oder nicht viel von dem verstanden hat, muss sich keine Sorgen machen, denn meine Einleitung war wohl ähnlich schwer zu verstehen wie die Texte von Slug, und dabei meine ich nicht, dass er nuschelt. Mit Se7en geht die Headshots-Serie, welche regelmässig bisher unveröffentlichte Atmosphere-Songs an die Oberfläche fördert, wie der Name schon sagt in die siebte Runde. Das besondere an Teil 7 ist zum einen die erstmalige Verwendung der Medien CD und Vinyl und zum anderen die starke Vermarktung. Teil 1 bis 6 waren ausschliesslich auf Tape erhältlich und das nicht gerade leicht. Und so hebt sich Nummer sieben schon beim ersten Hören deutlich von allen anderen Teilen ab. Aber langsam.
Atmosphere sind Slug (MC) und Ant (Producer). Auf Tour macht Mr. Dibbs den DJ, da Ant nicht gern das Haus verlässt. Zu Zeiten des ersten Albums "Overcast!" war noch ein weiterer MC mit von der Partie, Spawn. Nach den Aufnahmen zu obiger LP kam es zum Split und die Nachfolgeveröffentlichung "Lucy Ford EP" präsentierte die Gruppe bereits als Duo. Genau zwischen diesen beiden Alben entstanden die Tracks für "Headshots: Se7en", also zwischen 1997 bis 1999. Und das hört man, wenn man mit Atmosphere nicht gänzlich musikalisches Neuland betreten sollte. Die LP behält von Anfang bis Ende ihre rauhe Grundstimmung. Also nicht das alle Songs Battle-Bretter wären, sondern der Sound klingt schmutzig, was gut ist, und Slug lässt sich seine Höchstform auf keinem Track nehmen. Ideales Material also für Leute, die bei "God Loves Ugly" und "Seven's Travels" ob diverser Einbrüche nie ganz die Finger von der Skip-Taste lassen konnten. Denn zu skippen gibt es auf Teil 7 nichts. Hier wird in aller Klasse aufgezeigt, warum es so schwer ist, Atmosphere zu beschreiben. Jeder Song trägt diesen speziellen Stil, der angenehm zwischen knallharten, dennoch witzigen Battleraps und Poesie pendelt.
Bereits beim ersten Track, "Sep Seven Game Show Theme", knallt Slug einem die Punchlines vor den Latz, als wären die 90'er noch in vollem Gange. Und er macht keine Anstalten, den Hörer wieder in der Gegenwart abzusetzen.
Wer schon immer die Schnauze voll davon hatte, darauf zu warten, dass Mobb Deep wieder einen ordentlichen Song hinbekommen, möge sich "Tracksmart" anhören. Der unbeschreiblich entspannte Beat und Mr. Gene Poole als Feature, der sich anhört wie Havoc mit 19, zaubern "The Infamous"-Ambiente herbei.
Nach diesem sentimentalen Ausflug in die guten alten Tage sorgt "The Jackpot / Swept Away" für gute Laune. Und siehe an, angestaubte Vocal-Samples lassen sich auch so nutzen, dass man nicht automatisch an Kanye West denkt. Ein treibender Beat, bei dem man im Zement stehen muss, um die Füße still halten zu können.
Aber wo sind nun die versprochenen ruhigen Töne mit Poesie und so? Kommen, und zwar zuerst auf "Deer Wolf" (vorher aber ein lohnenswerter Abstecher zu "@ It Again". Panflöte! Alles geht!). Auf das minimalistische Klaviersample schaufelt Slug reichlich Durchdachtes. Vor einer Bewertung der Texte auf diesem Album mache ich übrigens Halt, sie bieten einfach zuviel Interpretationsspielraum. Für manche sind Slug's Texte die poetische Offenbarung und andere betrachten sie nur als sinnloses Wirrwarr, was trotzdem irgendwie immer geil klingt. Aber zumindest die Hook auf "Deer Wolf" will ich nicht vorenthalten:
"How many licks does it take to get to the center of your universe?"
Noch Fragen?
Bei "Molly Cool" und "Dungeons And Dragons" holt Ant die richtig tiefen Bässe raus. Diese relativ monotonen Beats nutzt Slug ideal für Schachtelsätze, die wirken nämlich erst hier richtig intensiv, da man sie gut versteht.
Man braucht sich aber gar nicht erst all zu sehr von diesem Stil entspannen zu lassen, denn schon drei Tracks weiter, auf "A Tall Seven And Seven", wird man wieder mitgerissen. Ein ideales Beispiel für die Art und Weise, wie Ant produziert. Eine Grundmelodie die ins Ohr geht, manchmal auch nur irgend ein Gimmick, was nicht wirklich melodiös ist aber eindringlich und das dann geloopt. Klingt nach schlechtem Allerwelts-Hip Hop, ist aber schon als Instrumental geil und wird durch Slug zum Erlebnis.
Wenn "The Abusing Of The Rib" anläuft, sollte man die Kopfhörer rauskramen, um sich den Genuß ohne störende Luft zwischen Membran und Ohr zu geben. Hier wieder ein geloopter, sehr durchdringender Beat, auf dem Slug mit ruhiger Art und poetischen Höhenflügen für Gänsehaut sorgt. Ganz subjektiv der beste Song der LP.
Keine Zeit zum Durchatmen, weil direkt danach mit "Write Now" ein Song zum Zuhören kommt. Es wär zu schade, die ganzen Anspielungen auf Schreibgeräte zu verpassen ("Can I use a ballpoint just to make my small point"). Ach ja, auch wer es nicht versteht, wird mit dem irgendwie sommerlichen Beat seine Freude haben.
Wer danach nochmal richtig ausrasten will, bevor sich das Album dem Ende nähert, stellt seine Anlage auf eine unsittliche Lautstärke ein und lässt "I Wish Those Cats @ Fobia Would Give Me Some Free Shoes" erklingen. Das kann ich nicht beschreiben, das ist einfach was zum durchdrehen.
Mit "Heart" endet Teil 7 der Headshots-Reihe, welche durch diese Veröffentlichung sicher noch mehr zum Sammlerobjekt wird, als sie so schon ist. Man bleibt zurück mit einem zufriedenen Gesicht und einer eintretenden Euphorie darüber, dass man sich dieses großartige Album wieder und wieder anhören kann. Ja, es ist wahr, so oft du willst, du kannst es. Und du wirst es!
P.S.: Se7en kommt mit einer Bonus-CD: Eine Auswahl an Tracks der vorherigen Headshots-Teile. Hier gibt es die Stücke auf den Tapes in CD-Qualität!
Tracklist:
01. Sep Seven Game Show Theme
02. Round and Round
03. Tracksmart feat Mr. Gene Poole
04. Choking On The Wishbone
05. The Jackpot
06. Swept Away
07. @ It Again
08. The Stick Up feat Eyedea
09. Lyle Lovette
10. Higher Living
11. To The Break Of Sean
12. Dear World
13. Molly Cool
14. Dungeons and Dragons feat Musab
15. Anterlude
16. Advanced Communications
17. A Tall Seven and Seven
18. 3.2 Red Dog
19. The Abusing Of The Rib
20. Write Now (Multiples No. 4)
21. I Wish Those Cats @ Fobia Would Give Me Some Free Shoes
22. Heart |